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NIEDERDEUTSCHE BÜHNE: „Twee Bröder“: Spannender Krimi um Schuld und Sühne

Das niederdeutsche Kriminalstück feierte am Freitagabend seine sehr gelungene Uraufführung

Das Szenfoto von Michael Ermel zeigt v.l.n.r. Jürgen Göttsche, Simone Schwarzenberger und Dieter Milkereit.

Holsteinischer Courier v. 10.02.2017
von Thorsten Geil

NEUMÜNSTER | Einmal im Jahr steht bei der Niederdeutschen Bühne nicht der Humor im Mittelpunkt, sondern dann führt die ambitionierte Amateurbühne ein Stück mit anderem Anspruch auf. Warum? Weil sie es kann. Das beweist sie gerade einmal mehr mit „Twee Bröder“. Das niederdeutsche Kriminalstück hatte am Freitagabend seine Uraufführung – und die ist sehr gelungen. 

Die NBN verlässt sich dabei komplett auf Stephan Greve: Der freiberufliche Theatermann aus dem Kreis Plön hat das Stück nicht nur geschrieben, sondern er führt auch die Regie, ist für das Bühnenbild und selbst die Musik zuständig. Obendrein bringt Greve seine Frau mit nach Neumünster, denn Angela Greve spielt eine der beiden Frauen in diesem Krimi. Stephan Greve hat in dieser NBN-Saison auch schon „Twee as Bonnie und Clyde“ inszeniert und probt bereits an dem März-Stück.

Henrik Schloth (souverän: Dieter Milkereit) ist Bauunternehmer und besticht auf einer privaten Feier den Bürgermeister Georg Tiege (herrlich großkotzig: Holger Krützfeld), damit der ihm eine Baugenehmigung unterschreibt. Die Ehefrauen Agnes Schloth (Simone Schwarzenberger) und Sabine Tiege (schön verzweifelt: Angela Greve) bekommen das nicht mit. Plötzlich taucht Wolfgang Schloth (faszinierend: Jürgen Göttsche) auf, Henriks Bruder. Er hat wegen Mordes im Gefängnis gesessen, aber die neue DNA-Technik hat nach 18 Jahren, drei Monaten und sechs Tagen seine Unschuld erwiesen.

Von einer Sekunde zur nächsten ist alles anders, und der Zuschauer spürt bald, dass es hier unheilvolle Verstrickungen, tiefe Wunden aus der Vergangenheit und viele Lügen und Selbstbetrug gibt. Die kommen nach und nach quälend zum Vorschein, und am Ende kommt natürlich auch heraus, wer damals der Mörder war. 

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Autor Greve hat sich sehr viel vorgenommen mit diesem Stück. Es geht um Schuld und Sühne und um Antworten auf diese Fragen: „Wann erlischt das Feuer der Lebensfreude? Wann wird aus Hoffen Stumpfsinn und aus Stumpfsinn der Wille des Lebens? Wann schaffen wir es, zu verzeihen?“, wie er selber über „Twee Bröder“ sagt. Einige Antworten liefert Greve. Nach ein paar zähen Momenten zu Beginn nimmt das Stück schnell Fahrt auf, und zum Finale hin sind die Nerven der gut 130 Premierenbesucher auf Hochspannung. Am Ende feierten sie das Ensemble mit viel Applaus und Bravo-Rufen.

Weitere Aufführungen: 13. bis 15. Februar, 20 Uhr (Studio); 16. und 17. Februar, 20 Uhr, Theater in der Stadthalle; 18. Februar, 20 Uhr, und 19. Februar, 16 Uhr, Studio.

10.02.2017 19:02 Alter: 106 Tage