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Neumünster: NBN bietet packendes Psychodrama

Premiere: „Mudder Mews“ inszeniert die fatalen Folgen einer dominanten Übermutter. Das Publikum ist begeistert.

Foto: Michael Ermel

Holsteinischer Courier vom 20.02.2018

von Gabriele Vaquette
 

Neumünster | Scheinbar ist der Familienfrieden intakt. Mutter, Tochter, deren Ehemann und Bruder trinken miteinander Tee und Grog, singen sogar miteinander. Doch der Schein trügt: Die Familie ist zerrüttet, spaltet sich, denn die dominante Übermutter intrigiert heftig gegen ihre Schwiegertochter. Die Premiere der Niederdeutschen Bühne am Freitagabend „Mudder Mews“ inszenierte ein packendes familiäres Psychodrama mit fatalen Folgen – keine leichte Kost. Doch das völlig faszinierte Publikum war nicht nur erschüttert und gebannt, sondern auch begeistert.

Als die ungeliebte Schwiegermutter Mudder Mews sich bei ihr einquartiert, versucht Elsbe, sich freundlich zu fügen. Doch zu tief sitzen die Sticheleien: Mudder hatte es im Leben schwer, ihr Mann soff sich zu Tode, fünf der acht Kinder starben: „Wat ick ok allns dörchmoken mutt!“ ist ihre ständige Litanei. Doch das ist keine Rechtfertigung für ihr Dauernörgeln. Sie krittelt an allem, was die Schwiegertochter macht – der Haushalt zu unordentlich, „verdreihte Böker“ lesen statt wie es sich gehört zu putzen und zu stricken; kurzum: Elsbe sei ihrem Sohn Willem eine schlechte Ehefrau. Mudder Mews zieht mit sadistisch anmutender Lust ihren Gewinn daraus, andere klein zu machen, sie zu kränken und zu erniedrigen. Sie zieht das Putzen, Kartoffelschälen und Backen der „Ossenoogen“ an sich, schafft es, aus der eigentlich lebenslustigen Elsbe eine gequälte und tobende Frau zu machen – ein unglaublich emotionaler Prozess.

Mudder lässt das Fass überlaufen, indem sie mutmaßt, dass das gemeinsame Kind ihres Sohnes und Elsbeth ein Kuckuckskind ist. Elsbeths Bruder Hugo (Björn Andres) versucht, ihr beizustehen, macht dramatisch Front gegen die eigene Mutter, ist aber nicht stark genug. Die junge Frau, bis ins Mark erschüttert, erwartet Solidarität von ihrem Ehemann (Jürgen Göttsche): „Se will mi dat Fell övertrecken.“ Doch der wendet sich – selbst inzwischen psychisch wahnhaft verändert – gegen sie und treibt sie schließlich in den Selbstmord.

Das Stück von Fritz Stavenhagen in der Bearbeitung von Günter Siegmund, in dem einst die Ikone des Ohnsorg-Theaters, Heidi Kabel, die Mudder spielte, zeigt, dass Plattdeutsch nicht nur die Sprache von lustigen Schwänken ist, sondern auch tiefernst interpretiert werden kann. Heike Ingwersen brilliert in der Rolle einer dominanten und kontrollwütigen Übermutter, einem falschen Muttertier, getarnt unter dem Mantel der Fürsorglichkeit („Ick will doch blots, dat Willem sick hier kommodig föhlt. Fallt man över mi her.“). Aber besonders eindringlich gelingt Patricia Juds als Elsbe, die tiefe psychische Verzweiflung zu veranschaulichen, in die sie durch die gemeinen Kränkungen der Schwiegermutter gestürzt und am Ende in den Tod getrieben wird. Die Zuschauer geben ihr einen extrastarken Applaus und Bravo-Rufe, während Mutter Mews „lobende Buhrufe“ erhält. Auch die zwei „Neuen“, Björn Andres und Nadine Budnik, die die hochdeutsche Tochter aus Hamburg mimt, freuen sich über kräftigen Beifall.

„Das war toll, ich bin überwältigt, wie die die Emotionen dargestellt haben. Ich habe Gänsehaut“, sagte Sabine Laube (47) aus Timmaspe. „Ich bin sprachlos, gerade zum Schluss lud sich das auf, der Sohn stand zwischen Frau und Mutter“, zeigte sich Annegret Schopf (67) aus Aukrug beeindruckt.

 

Es gibt weitere Aufführungen vom 19. bis 24. Februar um 20 Uhr und am 25. Februar um 16 Uhr), Karten (ab 12,50 Euro) gibt es bei der Konzertagentur Auch & Kneidl.

20.02.2018 08:28 Alter: 66 Tage