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Dienstag, 23. Januar 2018

Neuigkeiten

02.01.18

Ein Feuerwerk plattdeutscher Bühnenkunst

Die niederdeutsche Bühne begeisterte ihr Publikum mit der niederdeutschen Erstaufführung von „My...

31.12.17

Eliza Doolittle schnackt Platt

Premiere: „My Fair Lady“ wird in der plattdeutschen Sprache aufgeführt.

30.12.17

Wenn Frollein Eliza Plattschnacken lernt

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Auch auf Platt: „Min Gott, se hett dat“

Niederdeutsche Bühne zeigt zum ersten Mal „My fair Lady“ in norddeutschem Zungenschlag

Kieler Nachrichten vom 02.01.2018

„Dat grönt so grön, wenn Spaniens Blömen blöen.“ Johanna Kittel als Eliza Doolittle

Von Sabine Nitschke

In der Inszenierung von Philip Lüsebrink stecken Leben und Bewegung: Bis zu 20 Darsteller stehen in „My Fair Lady“ auf der Bühne. ©

Neumünster. Manchmal werden Träume wahr. Mit der Silvesterpremiere der Niederdeutschen Bühne Neumünster erfüllte sich ein Wunsch von Gastregisseur Philip Lüsebrink: Das weltbekannte Musical My Fair Lady erlebte seine niederdeutsche Uraufführung. Die eingängigen Evergreens, die Inszenierung und vor allem Johanna Kittel als zauberhafte Eliza Doolittle mit sagenhafter Bühnenpräsenz sind die Garanten des Erfolgs für diese duftige „Lady op platt“.

Der Plot ist hinreichend bekannt: Sprachforscher Professor Higgins (ein zunächst etwas hölzerner Michael Schmidt) wettet mit Oberst Pickering (souveräner Volker Rohweder), dass er aus der ungestümen Blumenverkäuferin Eliza, gesegnet mit schrillem Dialekt und ordinärer Ausdrucksweise, innerhalb von nur sechs Monaten eine Dame der feinen Gesellschaft machen kann. Diesen Stoff hatte Lüsebrink sofort im Kopf, als Frank Juds von der Bühnenleitung den studierten Opernsänger, seit 2006 festes Ensemblemitglied des Hamburger Engelsaals und Regisseur, um Kooperation bat.

Flugs musste ein Exposé her für die Lady, das den Verlag, der strenge Maßstäbe ansetzte, überzeugte. Derweil machte sich die Neumünsteraner Autorin Birgitt Jürs an die Übersetzung des Textbuchs. Und in Hamburg lief ein Casting für die Eliza-Besetzung. Die fand Lüsebrink mit der Logopädin Johanna Kittel, die zwar eine geschulte Gesangsstimme, aber dafür noch nie auf der Bühne gestanden hatte – und keinerlei Erfahrung mit Platt. Der Unterricht fand im Jürs’schen Wohnzimmer statt.

Bis zu Probenbeginn im Oktober „stand“ dann auch die Endversion des Textes, den Jürs zunächst komplett auf Platt verfasst hatte. „Aber uns war klar geworden, dass ich Missingsch einbauen muss, um die sprachliche Wandlung zum schönen, reinen Platt aufzuzeigen.“

Zudem baute sie mit Arpsdörp, Kuhberg-Arkaden und Marienstraat Neumünsteraner Lokalkolorit ein. Das zurückhaltende Bühnenbild, das bei karger Möblierung vor allem von den großformatigen Schwarz-Weiß-Neumünster-Fotos von Michael Ermel lebt, lässt die Kostüme umso prächtiger zur Geltung kommen. In dieser Kulisse läuft die Lady-Story wie am Schnürchen ab. Mit so’n lütten büschen Glück steuern Frank Juds als lebenslustiger Alfred P. Doolittle und der große Chor der Dienstboten/Markthändler/feinen Gesellschaft (eine hervorragende Idee, den eigenen Nachwuchs so erste Bühnenerfahrungen sammeln zu lassen) den ersten Höhepunkt an.

Endlich gelingt Eliza/Johanna das perfekte „Dat grönt so grön, wenn Spaniens Blömen blöen“; Higgins darf erleichtert rufen: „Min Gott, se hätt dat!“ Farbe ins Spiel bringen Erika Wittig als nonchalante Fru Higgins, Annett Schnoor als resolutes Frollein Pearce und Tobias von Ankum-Hoch, der einen schmachtenden Freddy Eynsford-Hill abgibt. Aber keine Panik: Auch in der niederdeutschen Version kommen letztlich die Richtigen zusammen. Die Schlussszene endet pointiert ohne Worte. Tipp: Hingehen und ansehen!

www.niederdeutsche-buehne-neumuenster.de

Kieler Nachrichten 020118

02.01.2018 16:00 Alter: 21 Tage