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Freitag, 20. September 2019

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08.04.19

Begeisterte Nostalgie op Platt

Wi sünd wedder wer - Vun Petticoat und Weertschopswunner" führte bei der Niederdeutschen Bühne...

Newsdetails

Ein fulminanter Theaterabend

Foto: Michael Ermel

Holsteinischer Courier v. 18.02.13
von Thorsten Geil

NBN-Schauspielerin Birgit Müller begeisterte die rund 100 Premierengäste als Frauke Petersen. Überzeugend spielte sie die ganze Klaviatur der Emotionen. Premiere des Ein-Personen-Stückes "Frauke Petersen - Die heilige Johanna der Einbauküche" endete mit stehenden Ovationen für Birgit Müller.

Neumünster. Ein fast zweistündiger Monolog kann sehr schnell sehr langweilig sein, besonders in einem Sessel vor einer Theaterbühne. Wenn man es aber richtig anfängt, einen exzellenten Stoff hat und ein erstklassiger Regisseur ihn von einer talentierten Schauspielerin umsetzen lässt, dann kann das ein fulminanter Abend werden. Den erlebten die rund 100 Premierengäste von "Frauke Petersen - Die heilige Johanna der Einbauküche" am Freitagabend bei der Niederdeutschen Bühne (NBN). 

Der Engländer Willy Russel schrieb 1988 "Shirley Valentine". Die bekannte Ohnsorg-Schauspieler Herma Koehn übersetzte das Stück, schrieb sich eine Fassung auf den eigenen Leib und spielte "Frauke Petersen" seit 1994 bereits mehr als 300 Mal mit großem Erfolg. Die NBN holte das Stück erstmals nach Neumünster, verpflichtete den Ohnsorg-Oberspielleiter Frank Grupe als Gast-Regisseur - und der legte mit Birgit Müller los. Die ist seit 30 Jahren bei der Bühne aktiv und spielt mit "Frauke Petersen" wohl die Rolle ihres Lebens.

Birgit Müller steht mutterseelenallein auf der Bühne und spielt die durchschnittliche Hausfrau und Mutter zweier Kinder, die aus ihrem Leben erzählt und aus lauter Frust mit der Wand spricht. Schon als Kind wurde Frauke gedemütigt. Das setzt sich in ihrer Ehe fort, denn Ehemann Heiko ist ein langweiliger Spießer, ihre Ehe ist wie der Mittlere Osten: "Da gibt es einfach keine Lösung", sagt Frauke. Dabei will sie einfach nur respektiert, geliebt und mal gelobt werden. Früher hatte sie sich vorgenommen, Heiko zu verlassen, wenn die Kinder erstmal aus dem Haus sind. "Aber als es dann so weit war, wusste ich nicht wohin", sagt sie. 

Und darum steht sie im ersten Akt in ihrer Küche und macht das Abendbrot. Das hat pünktlich auf dem Tisch zu stehen, sonst macht Heiko Ärger. Heute will er Frikadellen, doch Frauke brät ihm Spiegeleier (was der Zuschauer auch deutlich riechen kann, denn der Herd auf der Bühne funktioniert wirklich). Als Heiko ihr das Essen vom Tisch fegt, steht Fraukes Entschluss fest: Sie fliegt mit ihrer Freundin für zwei Wochen nach Griechenland, einfach so. Heiko erfährt das durch einen Zettel auf dem Küchentisch. In diesem Urlaub findet Frauke zu sich selbst, lässt sich kurz in die Arme von Costas fallen und kann sich zum Schluss endlich selber leiden.

Birgit Müller zeigt eine großartige schauspielerische Leistung. Sie spielt die ganze Klaviatur der Emotionen und kann die rasend schnellen Stimmungsschwankungen von Frauke Petersen sehr glaubhaft rüberbringen. Sie zieht das Publikum in ihren Bann; es leidet mit ihr, es lacht mit ihr. "Frauke Petersen" ist spannend, sehr lustig und macht nachdenklich. Ihr Publikum applaudiert am Ende stehend und will damit gar nicht aufhören. Mit Recht.

Übrigens: Nur im Programmheft erfährt der Zuschauer, warum Heiko an diesem Abend keine Frikadellen bekam; die Passage hat Regisseur Grupe aus Zeitgründen gestrichen. Anderthalb Pfund bestes Rinderhack, das Frauke pflichtschuldig schon eingekauft hatte, hat sie nämlich aus Mitleid dem Hund auf ihrer Arbeitsstelle gegeben. 

Die Termine: 18. bis 20. Februar, 20 Uhr; 24. Februar, 16 Uhr, alle NBN-Studiobühne; 21. bis 23. Februar, 20 Uhr, Theater in der Stadthalle. Eintrittskarten gibt es für 9 bis 12 Euro (Schüler und Studenten 5 Euro) bei Auch & Kneidl und eventuell an der Abendkasse.

18.02.2013 13:12 Alter: 7 Jahre